Wanderung zum Kleinkastell Neuwirtshaus 2017

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Museum Großkrotzenburg

Regionales Limes-Informationszentrum für den Main-Kinzig-Kreis

Am "vergangenen Sonntag" (19.03.2017) erkundete eine Gruppe von etwa 25 Geschichtsinteressierte
bei einer Wanderung zum etwa 4 Kilometer entfernten Kleinkastell Neuwirtshaus die Relikte des
UNESCO-Welterbes Limes.

Ausgehend vom Museum erwanderte die Gruppe auf dem historischen römischen Straßenverlauf
die Limesstrecke, wobei die Lage eines Gräberfeldes in der Bahnhofstraße und die Position des
einzigen auf Großkrotzenburger Gemarkung befindlichen Limesturmes auf Höhe der Kreuzburg ausfindig
gemacht wurde. Mit Erzählungen von überlieferten Geister- und Gespenstergeschichten aus dem
Mittelalter, die sich alle im Sumpfgebiet des heutigen Naturschutzgebietes abspielten,
ermöglichte der 1. Vorsitzende Stefan Uchtmann auch einen Abstecher in neuere Zeiten.

Museumsleiter Ralf Eltner erläuterte, dass schon in römischer Zeit bestehende Sumpfgebiet musste
in antiker Zeit mit einigem Aufwand passierbar gemacht werden; dazu nutzten die römischen
Pioniere armdicke gerade Äste mit einer Sand und Kiesauflage, um damit einen tragfähigen Weg zu
erstellen. Dies konnte bei früheren Ausgrabungen festgestellt werden, ist aber heute nicht mehr
sichtbar. Kurz nach dem Sumpfgebiet befinden sich die Überreste des nächsten Wachtturmes, ganz
in der Nähe des Pfaffendammes. Dieser Weg markiert gleichzeitig den alten Limeswall, der sich hier
noch etwa einen halben Meter aus dem Niveau des Waldbodens erhebt.

Der dritte Limesturm erhob sich einst an der Schnittstelle mit der heutigen Bundesstraße B8.
Grabungszeichnungen der Fundamente eines Steinturmes und eines Vorgängerbaues in
holzbauweise erläuterten dabei die Lage der unter der Fahrbahndecke liegenden Reste.

Einen weiteren markanten Punkt der Wanderung stellte die Kreuzung des Limes mit der Birkenhainer
Straße dar: Dieser schon weit vor den Römern benutzte wichtige Handelsweg wurde in römischer Zeit
sehr wahrscheinlich mit einem bewachten Durchgang kontrolliert und Waren mit Zoll belegt.
Das Bild einer Rekonstruktion aus Öhringen in Baden-Württemberg verdeutlicht das Aussehen eines
derartigen Limestores.

Das jetzt ganz in der Nähe befindliche Kleinkastell mit seiner kleinen etwa 50 Mann starken Besatzung
wurde wohl zur Überwachung dieses Handelsweges errichtet. Abseits jeglichen in römischer Welt
bekannten Komforts war es eine sicher nicht sehr beliebte Dienststelle. Die heute noch eindrucksvollen
Überreste der Umwehrung in Holz/Erde Bauweise in Form eines rechteckigen Walles sind im jetzigen
Vegetationsstand noch gut erkennbar, werden aber in Kürze von Blättern fast vollständig verdeckt werden.
Thomas Bahlke konnte hier mit einigen Illustrationen und Erklärungen der Gruppe das mögliche Aussehen
eines solchen Kastells veranschaulichen.

Der weitere Weg führte die Gruppe über die Großauheimer Waldsiedlung, wo eine Stärkung eingenommen
wurde, zum südlichen Teil des Naturschutzgebietes Schifflache. Hier konnten sich die Teilnehmer am
alljährlichen Schauspiel der Blüte der Buschwindröschen erfreuen, bevor der gemeinsame Weg am
Großkrotzenburger Bahnhof endete.